Hot town, summer in the city. Das Temperatur steigt und steigt und morgen wird es noch heißer. Lasst uns die Hitze mit den heißesten songs feiern. Hier unsere all-time-heat-top-ten. Nr. 1, wie jedes Jahr, “Summer in the City” von den Lovin’ Spoonful
„Rolling in the deep”, der Adele-Song, in dem eine verlassene Geliebte mit ihrem Ex-Freund abrechnet, ist die beste musikalische Therapie gegen Liebeskummer. Der Charts-Abräumer von 2011 ist eine Ohrwurm-Hymne, die Adeles vielseitige Stimme in den Soul-Himmel befördert.
Eine schöne Parodie des Liedes gelang Sarah Ada für die „ New York State Reading Association”, die sich für die Leseförderung engagiert. Sarah machte aus „Rolling in the deep” „If You Love to Read” und die NYSRA warb mit dem Loblied aufs Lesen für ihre letzte Jahreskonferenz.
Und wir bedanken uns für Zeilen wie diese:
„When I’m feeling there’s no place for me
I know I’ll always feel at home
in a library”
Oder:
“Throw yourself into every open book
there’s something for everyone if you take a look Turn the pages, and then before you know Books will pay you back in kind just watch your knowledge grow.”
Und weil das Orignal unübertreffbar ist, hier noch mal Adele in einer ihrer Sternstunden:
Eileen Gray war in den Zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts die feminine Persönlichkeit des Art Deco. Die irische Designerin, Architektin und Freundin wie Nachbarin von Le Corbusier liebte das Leben und Licht an der Côte d’Azur. Zwischen 1925 und 1929 widmete sie sich ganz dem Bau ihres ersten Hauses (E.1027) an der Küste bei Menton. Beraten ließ sie sich dabei vom rumänischen Architekten und Herausgeber der wichtigen Architekturzeitschrift L’Architecture Vivante Jean Badovici. Und bei der Konzeption berücksichtigte sie Le Corbusiers Architektur-Prinzipien.
Mit dem Hausbau gelang ihr ein eigener Stil, der Freiheit und Geborgenheit vereinte. Äußeres und Inneres sah sie als homogene Ganzheit. Gekennzeichnet durch Geräumigkeit, fließende Übergänge und überraschende Gestaltungsideen, die sich ebenso praktisch wie originell erwiesen. Gleichzeitig zitierte sie mit Gestaltungselementen des Schiffbaus die Nähe zu Meer (u.a. Relings, Liegestühle bis hin zur Fahnenstange auf dem Dach).
Parallel entwarf sie Möbel speziell für dieses Haus. Tisch und Stühle, Schränke und Spiegel konnten mit leichten Handgriffen neue Funktionen erfüllen. Mit viel praktischer Phantasie begnadet fand sie ungewöhnliche ästhetische Lösungen. Dazu gehört der höhenverstellbare Glastisch von 1927, der mit „E 1027″ den gleichen Namen wie das Haus trägt und inzwischen als eine der beliebtesten Design-Ikonen des 20. Jahrhunderts gilt. Kompakt und funktional aus Stahlrohr und Glas, ursprünglich von ihr als Beistelltisch für Bettfrühstücker gedacht, lässt er sich bequem unter das Bett schieben und umgreift durch die Höhenverstellbarkeit der Tischplatte auch hohe Betten.
In der Zentralbibliothek finden sich auf den Etagen mehrere „E 1027″. Als praktische Beistelltische zu unseren Palladio-Sesseln laden sie dazu ein, sich mit dem Design von Eileen Gray zu beschäftigen.
P.S.: Das Centre Pompidou in Paris widmete ihr kürzlich eine Ausstellung und als virtuelles Erlebnis wurde der Tisch zum Aushängeschild der Präsentation.
gp
Bei uns im Bestand:
Peter Adam: Eileen Gray. Architektin – Designerin. 1989. Signatur: Gv Gray, Eileen Adam
Letzten Oktober wurde Ranga Yogeshwar in der Kölner Zentralbibliothek mit der Karl-Preusker-Medaille geehrt. Die Auszeichnung erinnert an den Beamten aus Sachsen, der in Großenhain 1828 die erste öffentliche Bibliothek Deutschlands begründete. Auf dieses Ereignis bezieht sich seit 1995 auch der „Tag der Bibliotheken“.
Die vielschichtige Persönlichkeit dieses Bibliothekspioniers beleuchtet das Buch: „Karl Benjamin Preusker. Archäologe – Reformer – Netzwerker“ (Sax-Verlag 2011), das die Städte Großenhain und Löbau sowie das Landesamt für Archäologie Sachsen gemeinsam herausgegeben haben. 17 Wissenschaftler befassen sich darin mit dem Leben und Wirken Preuskers.
Der Beitrag von Felicitas Marwinski behandelt die 185jährige Geschichte der Großenhainer Bibliothek. Preuskers Idee von einer „wahren Bürgerbibliothek“ fand großen Zuspruch, weil er „die Bedeutung der berufs- und praxisbegleitenden Fachliteratur erkannte“. Für ihn waren „Bibliotheken untrennbar mit dem Schul- und Bildungswesen verbunden.“ Mit seiner Bibliothekspraxis und -theorie löste Preusker eine Gründungswelle von öffentlichen Bibliotheken in Deutschland aus. Heute ist die Großenhainer Bücherei längst im Internet-Zeitalter ankommen. In ihr verbinden sich Moderne und Museales in einem denkmalgeschützten Gebäudekomplex.
67 Jahre sollte es dauern, bis die erste Frau in Deutschland hauptberuflich in einer Bibliothek arbeitete. 1895 beginnt Bona Peiser mit ihrer Tätigkeit gleich in zwei Bibliotheken. Zur Hälfte in der „Ersten öffentlichen Lesehalle zu Berlin“, zur anderen in der „Bibliothek des Kaufmännischen und gewerblichen Hilfsvereins für weibliche Angestellte“.
Diplom-Bibliothekarin Frauke Mahrt-Thomsen aus Berlin hat sich akribisch auf die Suche nach den verschütteten Spuren der Pionierin begeben und in Sisyphos-Arbeit ihr Leben rekonstruiert. Ihre Biographie „Bona Peiser. Die erste deutsche Bibliothekarin“ (BibSpider 2013) rückt die „Wegbereiterin der Bücher- und Lesehallen-Bewegung“ sowie „die Frauenarbeit in Bibliotheken“ in ein erhellendes Licht. Insbesondere würdigt sie Bona Peisers Einsatz für hohe Ausbildungsstandards, die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und die Einflussnahme auf Ausrichtung und Ziele der Bibliotheksarbeit. Das Buch, so die Verfasserin, will „einer geschlechtssensibleren Darstellung der Bibliotheksgeschichte endlich zum Durchbruch verhelfen.“ Mittlerweile tragen in Berlin eine Straße und eine Bibliothek den Namen der Pionierin.
gp
Beide Bücher sind im Bestand der Stadtbibliothek unter der Signatur Ark 9 (Peiser bzw. Preusker) zu finden.
Aus erfreulichem Anlass und weil sich ein glücksfrisch gebackenes Exemplar im Kollegenkreis findet, heute und hier die ultimativen Daddy-Charts: Die besten Lieder über Väter aus den letzten 75 Jahren.
Platz Nr. 1:
“Papa was a rollin’ stone” The Temptations (1972)
Fünf Söhne besingen ihren Daddy, dessen Lebensleistung darin bestand, keinen einzigen Tag gearbeitet zu haben. Ein cooler groove katapultierte den Song auf Platz 1 der US-charts und später zu einem der „500 greatest songs of all time”. Psychedelic soul nannte man das in den 70zigern. Allein das Intro garantiert Ohrwurm-Qualität.
Nr. 2
„My heart belongs to Daddy” (1938).
Welche Art von Daddy hier besungen wird, wollen wir mal unbeleuchtet lassen. Cole Porter schrieb den Song für das Musical „Leave it to me” (deutsche Version: „Wodka-Cola”) und fand dabei höchst kreative Reime auf „Daddy”. Zahllose Coverversionen, unsere drei besten: Ella Fitzgerald, Eartha Kitt und Marilyn Monroe.
Erster Erfolgskracher des „Godfathers of Soul”. Zählt inzwischen auch zu den „500 greatest songs of all time“. Schmeißt Justin Biebers Scheiben in den Mülleimer und holt James Brown aus dem Plattenschrank. Yeah! Papa „’s doing the twist” und die Beinarbeit des Godfathers macht ihm so schnell keiner nach.
Vierter Nr. 1-Hit in den USA für Madonna. Flotter dance-pop mit einem Text, der gleichzeitig Abtreibungsbefürworter und den Vatikan auf die Palme brachte. Ungeachtet dessen steht fest: Madonna liebt ihren Vater. Unvergessen, wie er sich einmal auf die Bühne verirrte und sie vor ihm die Knie ging.
Den Daddy-Ratschlag: “If you want it, go out and get it” hat Gloria für bare Münze genommen, und mit diesem Song die charts und die Herzen der schwulen Disco-Community erobert.
Keine wollte die Scheibe kaufen, bis die Retorten-Truppe im ARD- „Musikladen” auftrat. 3 Monate später war sie ein Millionenseller und eine goldene Schallplatte. Zum Mitgröhlen reichen zwei Zeilen: „She’s crazy like a fool. What about it Daddy Cool!”
Nichts für Menschen mit Tränendrüsenschwäche und Herzerweichungtendenz. Die Liebeserklärung an den einzigen, den wahren, den unvergleichlichen… Erstmals von Barbra-Super-Star für den Film „Yentl” gesungen. Wahlweise zum Wegschmelzen noch die Versionen von Donna Summer (1984) oder Nina Simone (1993)
Der King bettelt aus der Sicht eines Kindes: „Weine nicht, Daddy!”. Denn Daddy ist (warum auch immer) Alleinerziehender von zwei Kindern und sehnt sich nach einer Mommy. Nur einer kann das so singen, dass ihm es jeder abkauft. (Wir bitten derweil für einen Song über das Heer der alleinerziehenden Mütter.)
Inbrünstig und mit Elan singt hier ein Kanadier das hohe Lied auf den Vater. Diesmal ein täglich hart arbeitendes Exemplar, das auch als Witwer mit seiner ganzen Kraft dafür sorgt, dass der Nachwuchs auf die eigenen Beinen kommt und damit erfolgreich durchs Leben geht.
Einziger deutscher Daddy-Song (von Paul Burkhard), der es über die Landesgrenze schaffte. Nötig war dazu die Verfilmung der Musik-Komödie „Feuerwerk”, in der das Lied vom Star des deutschen Nachkriegsfilm gesungen wurde. Die englische Version von Eddie Fisher hielt sich acht Wochen auf Platz eins der US-charts.
Und hier die restlichen 90 der 100 besten Daddy-Songs aller Zeiten.
Die schönste Kirschblüte Japans, so eine verbreitete Meinung, findet sich in Kyoto. Wer sich also zur Kirschblütenzeit dort aufhält, dem wird oft ein Besuch in der alten Kaiserstadt empfohlen. Das Video zeigt nicht nur einige aktuelle Impressionen aus Kyoto, sondern macht auch etwas von der Ergriffenheit sichtbar, mit der die Japaner der Blütenpracht begegnen. Auch diese Bilder vom letzten Jahr zeugen von der Blütenverbundenheit der Einwohner und Besucher.
Der Kirschblüte in Kyoto hat der japanische Schriftsteller Yasunari Kawabata besonders gewürdigt. Der Nobelpreisträger von 1968 beschreibt in seinem Roman Kyoto oder Die jungen Liebenden in der alten Kaiserstadt (1962) die Bäume im Heian-Schrein: „Das prächtigste sind die Kirschbäume mit ihrem scharlachroten Blüten und den Zweigen, die tief herabhängen. Sie verleihen dem Garten des Schreines sein Gepräge. Was könnte besser als diese Kirschblüten den Frühling der alten Kaiserstadt versinnbildlichen?” Hier ein aktuelles Bild aus dem Garten.
gp
Das Buch bei uns unter der Signatur U Kawabata ausleihbar.
Noch immer lässt sich die Kirschblüte vor unserer Haustür nicht blicken. Genug Sonnenlicht war ja da, aber wie sollen bei der Kälte Frühlingsgefühle in den Knospen aufkommen. Zum Trost heute ein Video mit Bildern vom letzten Jahr. Musikalisch unterlegt ist es vom populärsten japanischen Lied „Sakura, Sakura”, das gegen Ende der Edo-Periode (1603 – 1868) entstand. Das Kirschblüten-Lied kennt jedes japanische Kind, aber auch außerhalb des Landes ist es vielen ein Begriff. Giacomo Puccini hat es in seiner Oper „Madama Butterfly” verarbeitet. Und der renommierte Kammersänger Ernst Haefliger bekannte: „In der Tat sind mir die japanischen Lieder ein echtes Anliegen, zeichnen sie sich doch durch große Ausdrucksfülle und intensive Stimmungsfarben aus”.
Er ist 17, wuchs in einer Musikerfamilie auf und kommt aus Sundsvall, einem mittelschwedischen Kaff. Und in Japan war er schon eine große Nummer, als ihn in Schweden noch keiner kannte. Früh interessierte er sich für japanische Kultur und visual kei, lernte autodidaktisch die Sprache und wurde Gitarrist und Sänger.
Inzwischen singt er auf Japanisch, trat sieben Mal in Japan auf, und ist in der Szene ein Star. Musikalisch lässt er sich nicht einsortieren: von Dubsteb bis Deathcore bringt er alles, was so grad in seinen Kram passt. Aber was ihn in Europa aus allen Rastern fallen lässt, ist sein Aussehen. Wenn er in die Kunst- und Bühnenfigur „Yohio” schlüpft, verwandelt er sich in ein wunderhübsches Mädchen, dessen blonde Haare rosa Spitzen verzieren.
Die große Bühne in Schweden betrat Yohio kürzlich beim „Melodifestivalen”, der nationalen Ausscheidungsrunde für den Eurovision Song Contest im Mai in Malmö (s. Video). Äußerst knapp verpasste er mit seinem Song „Heartbreak Hotel” die Chance, sein Land beim ESC-Heimspiel zu vertreten.
Wäre es nur nach dem schwedischen TV-Publikum gegangen, hätte er gesiegt. Aber eine ebenfalls stimmberechtigte europäisch zusammengesetzte Jury, verwies ihn auf Platz 2. „Europa hat mich gedisst”, meinte Yohio anschließend lakonisch. Offensichtlich waren die kontinentalen Musikexperten noch nicht bereit für einen Typ wie ihn.
Am Song kann es nicht gelegen haben. Der war bereits auf ESC- und Radiotauglichkeit getrimmt. Aber ein enger weißer Lederdress, rosa Federn, Make-up und die androgyne Irritation wollte man vielleicht dem Rest Europas ersparen. Selbstbewusst wischt Yohio jede Vermutung vom Tisch, dass sein Faible für “visual kei” etwas mit Sex zu tun hat. “Manche Leute mögen das denken”, meint er, „aber in Japan, wo die Szene entstand, ist daran nichts Sexuelles! Ein Kerl trägt ein Kleid, na und! Es ist nur eine Bühnenshow.”
Mit „Heartbreak Hotel” will er nicht in eine Schublade. Diese Woche erschien in Schweden sein erstes Solo-Album „Break the border” und daran soll man ihn messen. Privat ist der bekennende Hetero eher schüchtern, hängt am liebsten zu Hause mit Freunden ab. Seine Botschaft ist unmißverständlich: „Die nächste Generation nach mir wird schlauer sein. Die Werte der westlichen Musik werden an Dominanz verlieren, ebenso die Demütigung von Frauen durch Sexualisierung und Romantisierung.”
gp
P.S.: Selbst Schuld die Schweden, wenn sie den ESC nicht gewinnen wollen! Der Vollständigkeit halber hier der Siegertitel und schwedische Beitrag für das ESC-Finale. Und hier mal Yohio auf Japanisch und im Interview.
Am Freitag, den 17. Mai um 15:30 Uhr sind wieder alle Kinder ab 8 Jahren herzlich zum Basteln in die Stadtteilbibliothek Bocklemünd eingeladen. Passend zum (leider durchwachsenen) Wetter wollen wir dieses Mal Windräder selber machen. Hier ein paar Eindrücke vom letzten Mal. Im April hatten wir einen sehr lustigen Nachmittag beim Bedrucken und Bemalen von Stoffbeuteln. : […]