Bowie trifft Foucault im Dschungel – und „scobel & winkels“ auf einen Überraschungsgast in der Zentralbibliothek

25 Mär

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„Als spannende Überraschungsgeschichte” hatte Hubert Winkels den Abend angekündigt, flankiert von Gert Scobel: „Wir improvisieren. Da ist alles offen!”

Zum vielversprechenden Auftakt geriet gestern der neue Literatur-Talk der Stadtbibliothek. Das Publikum auf den gefüllten Stuhlreihen freute sich über zwei Moderatoren, mit denen es die Leidenschaft fürs Lesen teilte. „scobel & winkels – Von Büchern und Buchmessen” heißt das neue Format des Kulturprogramms und von Beginn an ging es mit Leidenschaft zur Sache.

Interessantes über den „Preis der Leipziger Buchmesse” wusste Winkels als Jury-Vorsitzender zu berichten. Sieben Mitgliedern oblag die Prüfung von 450 Büchern, um drei davon als Preisträger in den Kategorien Belletristik, Sachbuch und Übersetzung zu küren. Wie das zu bewältigen ist, garnierte er mit humorvollen Details.

Einen lebhaften Dialog entfachten Scobel/Winkels über Houellebecqs jüngsten Literatur-Coup „Unterwerfung”. Die Parallelität zum Charlie-Hebdo-Attentat führte, so Winkels, „zu wild konstruierten Zusammenhängen”. Scobel attestierte dem Autor auch bei zwei anderen Büchern „ein seltsames Gespür für Dinge, die passieren” und bescheinigte ihm „eine geschickte Analyse der Fehler der westlichen Welt.” So flogen die Bälle hin und her: „Nihilistisch” (Winkels) – „Sehnsucht nach einem anderen Leben” (Scobel) – „Kompensation des Sinndefizits durch Essen, Trinken, Sex” (Winkels) – „clevere Darstellung von Politik” (Scobel). Fazit: „Wenn man den Roman zu ernst nimmt, ist es kein guter Roman” (Winkels) – „Muss man lesen!” (Scobel).

So richtig in Fahrt gerieten die beiden beim „Langen Sommer der Theorie”. Autor Philipp Felsch begab sich auf die Spuren einer „Revolte”, die zwischen 1960 und 1990 stattfand. Zwischen Frankfurt/M., Berlin und Frankreich, dem Suhrkamp und dem Merve Verlag verorteten die Moderatoren einen „Diskurs-Pogo”, der an den abstrusesten Orten ausgefochten wurde – nur nicht im Hörsaal. Texte von Adorno, Habermas, Barthes, Foucault, Derrida erhitzten die Gemüter. Graue Theorie („Text ist Arbeit” Winkels) fand sich in bunten Taschenbuch-Einbänden wieder. Und die Debatten darüber entluden sich in Künstlerkneipen wie dem “Ratinger Hof” oder Tanzclubs wie dem „Dschungel“, wo in den siebziger Jahren auch David Bowie auftauchte. Was „neomarxistisch” begann, endete in der Kunst. Kippenbergers Buch im Merve Verlag ersetzte die Theorie durch Frauenbilder. Scobels Fazit zum „Langen Sommer”: „Glänzend geschrieben, wie ein Roman!”. Winkels: „Das Buch für Bibliotheksliebhaber!”

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Als heimlicher Star des Abends entpuppte sich Cordula Paar! Sie hatte sich für die Teilnahme beworben und durfte als Überraschungsgast ihren Lieblings-Klassiker vorstellen. Bei aller Unerfahrenheit auf dem Podium erstarrte sie nicht in Respekt vor den versierten Moderatoren, sondern vertrat selbstbewusst ihren Standpunkt. Dieser bezog sich auf das ausgewählte Buch von Hans Fallada: „Jeder stirbt für sich allein” (in der ungekürzten Neuausgabe von 2011). Geschildert wird die authentische Geschichte des Ehepaars Quangel, das Postkarten-Flugblätter gegen Hitler ausgelegt hatte und denunziert worden war. Es gilt als das erste Buch eines deutschen nicht-emigrierten Schriftstellers über den Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Cordula Paar: „Ein heißes Eisen, als die erste Ausgabe direkt nach dem Krieg erschien.” Zur dritt diskutierte das Podium die Rolle des Buches in der DDR. Während Scobel/Winkels die literarische Qualität relativierten („Grob geschrieben, teilweise unplausibel”), verteidigte Paar ihre Wahl „jede Figur wird verständlich dargestellt”. Besonders imponierte ihr die Ehefrau Anna Quangel, bei der sie eine emanzipatorische Entwicklung feststellt. Geschickt und strategisch klug verstand sie es, ohne aufzufallen, sich dem Griff einer Nazi-Frauenschaft zu entziehen. Cordula Paar las abschließend eine Passage aus dem Buch und erhielt für ihren Auftritt den wohlverdienten Applaus des Publikums.

Zum Kehraus präsentierten Scobel/Winkels vier Buchtipps (s. Liste unten). Fazit insgesamt: Ein unterhaltsamer, kurzweiliger Abend mit vielen Anregungen und Inspirationen und ein voller Erfolg für das neue Veranstaltungskonzept der Stadtbibliothek.

gp

Bild unten von links: Gert Scobel, Cordula Paar, Hubert Winkels.

Liste der vorgestellten Bücher:

Jan Wagner: “Regentonnenvariationen. Gedichte”

Philipp Ther: “Die neue Ordnung auf dem alten Kontinent. Eine Geschichte des neoliberalen Europa”

Michel Houellebecq: „Unterwerfung”

Philipp Felsch: „Der lange Sommer der Theorie. Geschichte einer Revolte 1960-1990″

Hans Fallada: „Jeder stirbt für sich allein”

Arno Geiger: „Selbstporträt mit Flusspferd”

Norbert Scheuer: “Die Sprache der Vögel”

Jürgen Werner: „Tagesrationen. Ein Alphabet des Lebens”

Vladimir Nabokov : „Gesammelte Werke. Band 18: Vorlesungen über westeuropäische Literatur”

Vorlesewettbewerb in der Zentralbibliothek

24 Mär

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Am Montag ging in der Q-thek der Zentralbibliothek der 56. Vorlesewettbewerb des Deutschen Buchhandels über die Bühne. Ermittelt wurden die Gewinner des nördlichen Regierungsbezirks Köln. Am bundesweit größten Lesewettstreit nehmen jährlich rund 700.000 Kinder teil.

Begrüßt wurden die Vorleserinnen und Vorleser und ihre Freunde und Familienangehörigen im Publikum von der Schauspielerin und Moderatorin Britta Weyers, die mit viel Humor und Spaß durch das Programm führte. Mit Ihrer vertrauensvollen Art nahm sie den Kindern die Angst und Nervosität vor Ihrem Auftritt.

Fünf Mädchen und vier Jungen (alle aus der 6. Klasse) hatten sich qualifiziert und traten gegeneinander an. In der ersten Runde konnten alle durch das Vorlesen aus selbst gewählten Kinder- und Jugendbüchern glänzen. Dafür hatten sie jeweils drei Minuten Zeit. Nach dieser Runde zog sich die Jury für eine erste Beurteilung kurz zurück. Die Jury (im Bild von links) bestand aus Annette Beltermann (Stadtbibliothek Köln), Cäcilia Böhler (Buchhandlung Klaus Bittner), Stefan Palm (Presseamt der Stadt Köln), Petra Hoffmann (Känguru Colonia Verlag) und  im Vordergrund mit roten Haaren Britta Weyers.

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In einem zweiten Durchgang wurde aus dem unbekannten Text aus dem Buch „Nicht drücken!” von Gernot Gricksch zwei Minuten vorgelesen. Diese lustige Geschichte meisterten die beiden Gewinnerinnen Zeria Aymaz und Lioba Konrad am eindrucksvollsten und brachten das Publikum zum Lachen.

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Die nächste Hürde für Zeria und Lioba ist der Landesentscheid und vielleicht sehen wir eine unserer Gewinnerinnen auch noch im Bundesentscheid in Berlin.

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Ich lese gerade…„Von Erholung war nie die Rede“ von Andrea Sawatzki

21 Mär

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So vielseitig wie die Schauspielerin sind auch ihre Bücher!
Mit ihrem Debütroman „Ein allzu braves Mädchen“, ein Psychokrimi, schaffte sie es auf Anhieb in die Bestsellerlisten.
Bei ihrem zweiten Roman „Tief durchatmen, die Familie kommt” zeigt sie erstmals komödiantisches Talent und beschreibt ein gescheitertes Weihnachtsfest mit der lieben Familie Bundschuh.
Und nun liegt die Fortsetzung vor, „Von Erholung war nie die Rede“, wieder eine schräge Komödie mit Gundula Bundschuh und den anderen Familienmitgliedern…

Sie schreibt einfach aus dem Bauch heraus, für alle geplagten Mütter und Ehefrauen – authentisch und humorvoll.
Einfach leichte Kost, viel Spaß dabei! :-)
lab

Scobel & Winkels sprechen über Buchmessen und Houellebecq

20 Mär

“Wem es gelingt, mich zu vereinnahmen, ist noch nicht geboren.”

Dieses Zitat stammt von Michel Houellebecq. Sein Roman “Unterwerfung” gehört zu den ersten Büchern, die Gert Scobel und Hubert Winkels im neuen Format “scobel & winkels” der Stadtbibliothek diskutieren und vorstellen. Zweimal im Jahr, jeweils unmittelbar nach den großen Buchmessen in Leipzig und Frankfurt a. M., präsentieren die beiden versierten Moderatoren Buchneuerscheinungen – aus der Vielfalt der wissenschaftlichen und fiktionalen Literatur. Premiere ist kommenden Dienstag, 24. März 2015, um 20 Uhr in der Zentralbibliothek am Neumarkt.

Auf der gerade beendeten Leipziger Buchmesse wagten Scobel und Winkels einen Blick hinter die Kulissen, berichten von Hypes und Flops. Hubert Winkels war sogar Jury-Vorsitzender des großen Buchpreises der Messe.

In dem neuen Veranstaltungsformat der Stadtbibliothek sprechen die beiden aber nicht nur miteinander über aktuelle Bücher, sondern auch über einen “Klassiker”, den Kölner Bürgerinnen und Bürger vor der Veranstaltung vorgeschlagen haben. Dazu kommt der Gast, der für die Buch geworben hat, aufs Podium und spricht mit den beiden über den Text. Das Publikum darf sich jetzt auf den ersten bereits feststehenden Überraschungsgast und sein Lieblingsbuch freuen.

Was für ein Knaller: Der Lenz ist da!

20 Mär

“Die erste Nummer muß gleich knallen!” Für Robert Biberti, die markante Bass-Stimme der Comedian Harmonists stand fest: „wenn wir dann ‘Veronika, der Lenz ist da’ sangen, da hatten wir das Publikum und konnten nachher singen, was wir wollten”.

Das ulkige Frühlingslied von 1930 knallt bis heute! Mit seiner schwungvollen Melodie und den erotischen Anspielungen ist es längst ein deutscher Schlager-Klassiker. Ein Ohrwurm, der es sich im Gehörgang gerne gemütlich macht.

Und was beschert uns der heutige Tag sonst noch?

Es ist jetzt kurz nach 9 Uhr, gleich ist So-Fi, aber im Moment sieht es hier in Köln eher nach nebeligem Winterabschied aus. Mal sehen, wer schneller ist? Die Sonne oder die Finsternis.

Gefeiert wird heute u.a. der “Tag der Frankophonie“; Höhepunkt bei uns ist die Party in Berlin.  Geschichte gemacht hat bereits der Welt-Geschichtentag, Motto diesmal: “Wünsche”. Viele Wünsche und noch mehr Forderungen prägen seit 1966 den Equal Pay Day, der auf die Gender Pay Gap aufmerksam macht (auf deutsch: Geschlechter-Einkommenslücke, geschlechtsspezifischer Lohnunterschied, geschlechtsspezifisches Lohngefälle).

Wenn das alles nicht knallt, weiß ich’s auch nicht!

gp

P.S.: Was vergessen? Ach ja, heute ist Frühlingsanfang!

 

“Public Libraries Tour 2020″ zu Gast bei uns

18 Mär

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Die “Public Libraries 2020 Tour” machte heute Station in Köln, um zwei Videos über unsere Bibliothek zu drehen. Dieses Projekt plant europaweit interessante Geschichten aufzuspüren, alle mit einer zentralen Botschaft: „Libraries change lives!” Tour-Ziel ist es, über die „fantastische Arbeit der 65.000 europäischen Bibliotheken” zu berichten. Im Focus stehen Bibliotheksnutzer, visionäre Bibliothekare und europäische Politiker.

Als Berichterstatter für „2020″ besuchten uns Erik Boekesteijn (im Bild links) und Jaap van de Geer (in Bibliothekskreisen durch TWIL und DOKLAP ein Begriff). Sie interessierten sich besonders für unser Projekt „Wir sprechen viele Sprachen” und die persönliche Geschichte einer unsere Nutzerinnen, die erzählte, wie die Stadtbibliothek Köln ihr Leben veränderte.

gp

“Lesestart” mit TV-Moderatorin Nina Moghaddam

18 Mär

Nina Moghaddam

Viele Kinder und ihre Eltern kennen Nina Moghaddam aus Fernsehsendungen wie „Toggo“ oder „DSDS – Das Magazin“. In unserer Stadtteilbibliothek Sülz war sie live als Lesestart-Botschafterin zu erleben: Um auf das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanzierte und von der Stiftung Lesen durchgeführte bundesweite Leseförderprogramm „Lesestart – Drei Meilensteine für das Lesen“ aufmerksam zu machen, las sie  KiTa-Kindern aus dem Buch „Bitte anstellen!“ vor. Anschließend übergab sie den anwesenden Kindern gemeinsam mit Annette Beltermann, Lektorin bei der Stadtbibliothek Köln, und Stephanie Lange, PR-Managerin bei der Stiftung Lesen, Lesestart-Sets. Die Sets für dreijährige Kinder und deren Eltern enthalten je ein altersgerechtes Kinderbuch sowie Tipps und Informationsmaterialien zum Vorlesen und Erzählen für Eltern, die zusätzlich auf Polnisch, Russisch und Türkisch angeboten werden.

Nina Moghaddam engagiert sich aus persönlicher Überzeugung für die Leseförderung: „Ich liebe Lesen! Als Kind haben mir immer meine Eltern vorgelesen und später, als mein kleiner Bruder auf die Welt kam, durfte ich ihm jeden Abend vorlesen. Dass ich heute als Moderatorin arbeite, habe ich sicherlich auch dem Lesen zu verdanken, denn schließlich gehört es zu meinem Job, mich ausdrücken zu können und selber Texte zu schreiben. Noch heute lass‘ ich mich lieber mit einem Buch in spannende Welten entführen als einen Film zu gucken.“

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Auch Annette Beltermann, Lektorin bei der Stadtbibliothek Köln, freut sich über die Umsetzung des Lesestart-Programms in der Stadtteilbibliothek Sülz: „Regelmäßiges Vorlesen ist wichtig für die Entwicklung eines Kindes, deshalb sollten Bücher ein selbstverständlicher Teil des Familienalltags sein. Lesestart ist ein wunderbares Angebot, um Hemmschwellen bei eher leseunerfahrenen Familien mit kleinen Kindern abzubauen und aus diesem Grund beteiligen sich die Kölner Bibliotheken sehr gern an dem bundesweiten Programm.“

Die Stiftung Lesen wurde vor Ort durch Stephanie Lange vertreten, die betonte: „Im Rahmen von Lesestart setzen die Bibliotheken erfolgreich nachhaltige Impulse in der Leseförderung, wie auch die wissenschaftliche Begleituntersuchung zum Programm belegt. Im Schnitt haben teilnehmende Bibliotheken ihr Veranstaltungsangebot durch Lesestart um 36 Prozent pro Monat gesteigert. Außerdem haben 72 Prozent der Bibliotheken neue Bücher und Medien für die Lesestart-Zielgruppe angeschafft.“ Die ersten beiden Programmphasen von Lesestart werden von der InterVal GmbH, Berlin, in Kooperation mit Prof. Dr. Christine Garbe von der Universität zu Köln und Dr. Claus Barkmann vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf wissenschaftlich begleitet. Ziele sind die laufende Optimierung der Programmumsetzung sowie die begleitende Wirkungsanalyse.

Im Rahmen des Programms, das vom Deutschen Bibliotheksverband e. V. (dbv), Borromäus-verein e. V., Evangelisches Literaturportal e. V., Sankt Michaelsbund und der Fachkonferenz der Bibliotheksfachstellen in Deutschland unterstützt wird, ist die Stadtteilbibliothek Sülz und ihrer Leiterin Nicole James (links im Bild) zusammen mit vielen weiteren Bibliotheken bundesweit eine zentrale Anlaufstelle für Familien und ihre dreijährigen Kinder, die dort ihr persönliches Lesestart-Set erhalten.

Nina MoghaddamBilder Copyrights: © Stiftung Lesen / BMBF / Jan Knoff

 

 

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