Wie klaut man eine geschlossene Busbibliothek?

20 Mai

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Bibliotheken sind Paradiese für die Fantasie! Und wenn sie geschlossen werden, stirbt weit mehr als eine Dienstleistungseinrichtung, die Medien zur Verfügung stellt.  Vor dem Hintergrund des Kahlschlags öffentlicher Bibliotheken in Großbritannien liest sich dieses Buch mit anderen Augen. Denn prekär ist hier nicht nur die Situation der Bibliothekslandschaft, sondern auch die der Protagonisten. Als da wären: die alleinerziehende Putzfrau Val und ihre 13jährige behinderte Tochter Rosa. Der 12jährige Bobby aus desaströsen Familienverhältnissen sowie der später dazu stoßende geheimnisvolle Outlaw und Ex-Soldat Joe.

Ins Rollen kommt die Geschichte, als Val erfährt, dass der Bücherbus, den sie putzt, geschlossen werden soll. „Die Fördermittel waren ausgegangen.” Val trauert weniger um ihrem Job als um den Lesestoff: „Die Entdeckungen, die sie darin gemacht hatte… als seien dies alles Geschichten aus ihrem eigenen Leben. Teile ihrer selbst, versteckte in der Druckerschwärze der Bücher.”

Bobby erlebt die Welt der Bücher zu diesem Zeitpunkt gerade erst sechs Wochen und leidet noch mehr. Hatten sich doch „…seiner Fantasie durch den Bücherbus unzählige neue Welten erschlossen.” Einschließlich seinem Gespür, mit Rosa, Val und ihrem Hund Bert eine neue Familie gefunden zu haben.

Aus dem Gefühl größter Aussichtslosigkeit entführt das Gespann den Bus. „Und dann waren sie fort, in ihrer riesigen, rasenden Bibliothek… Es fühlte sich an, als würde man ein Buch aufschlagen, von dem man nicht das Geringste wusste.” Da sind wir auf Seite 130 und 192 Seiten später endet das tragikomische Abenteuer dieser Flucht.

Unbeirrt wird dabei nach dem Glück gesucht und die Magie der Literatur gefunden. Ob „Moby Dick”, „Der kleine Prinz”, „Alice im Wunderland” oder „Gullivers Reisen”… Sobald der Bus hält und „…sie die Tür geschlossen hatten, kam es ihnen so vor, als könnten sie überall sein… Die Wände waren mit Fluchtwegen und Ausgängen bestückt, die direkt in die Wüste führten, in den Weltraum, mitten in den Ozean hinein und zu noch viel seltsameren Orten.”

Doch ihre Oase auf Rädern wird erbarmungslos gejagt. Von der Polizei, den Medien und selbsternannten Ordnungshütern. Ganz nebenbei brennt Autor David Whitehouse bisweilen die Fantasie durch. Aber er schafft am Ende genau die Punktlandung, die das Buch nach etwas rumpelndem Start (dafür über weite Strecken rasend schnell) in der Wirklichkeit aufschlagen lässt.

„Wir haben ein ziemlich tolles Abenteuer erlebt, nicht wahr?” meint Bobby am Ende. Und Leser, die der Story bis dahin treu geblieben sind, vermutlich auch.

gp

P.S.: Im Original heißt der Roman „Mobile Library”, was immer noch besser ist als der deutsche Titel „Die Reise mit der gestohlenen Bibliothek”.

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David Whitehouse: “Die Reise mit der gestohlenen Bibliothek”, J.G. Cotta’sche Buchhandlung 2015. Signatur: UJ Whitehouse.

Preußen? Nein danke!

18 Mai

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Gespräch über Heinrich Böll und seine Haltung zum Preußentum

Martin Stankowski, Jochen Schubert und Gabriele Ewenz sprechen am Dienstag, 26. Mai 2015, um 19 Uhr in der Zentralbibliothek am Neumarkt über das Thema „Heinrich Böll und die Preußen”. Der Schauspieler Bernt Hahn liest ausgewählte Texte.

In Bölls Werken finden sich zahlreiche Passagen, die eine kritische Position des Autors mit dem Preußentum markieren. Bereits 1938 formulierte der junge Böll polemisch und ironisch in dem Text „Die Preußen und wir am Rhein” seine Haltung zum preußischen Militarismus. „Und sie versauten uns mit grässlichen Kasernen und ekelhaften Potentaten-Denkmälern die lieblichen Gestade unseres Rheins.” Auch mit den Gegensätzen zwischen rheinischem Katholizismus und preußischem Protestantismus setzte er sich oft literarisch auseinander, was die drei Gesprächsteilnehmer neben anderen Aspekten erörtern.

Das Literatur-in-Köln-Archiv (LiK) und das Heinrich-Böll-Archiv veranstalten die Podiumsdiskussion gemeinsam mit der Heinrich Böll Stiftung in Berlin im Rahmen der Themenreihe „200 Jahre Preußen am Rhein”. Der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz hat sie unter dem Motto DANKE* BERLIN initiiert. Von April bis Oktober 2015 gibt es im gesamten Gebiet der ehemaligen preußischen Rheinprovinz über 400 Veranstaltungen, in denen die wechselvollen Beziehungen zwischen dem Rheinland und Preußen beleuchtet werden.

Das Preußenjahr steht unter der Schirmherrschaft der Ministerpräsidentinnen der Länder Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz, Hannelore Kraft und Malu Dreyer.

 

Bye Bye B.B.

15 Mai

Der “Blues Boy” (= B.B.) King spielt nicht mehr auf seiner “Lucille“. Einer der einflussreichstenBlues-Könige starb gestern 89jährig. Über seiner Gibson-Gitarre sagte er einst:  „Abgesehen von richtigem Sex mit einer richtigen Frau gibt es nichts, was mir solch eine innere Ruhe gibt wie Lucille“.

Zur Erinnerung hier ein besonders schönes Video, das in einer Kooperation mit der  Kinderbuch-Autorin Sandra Boynton entstand. Behandelt wird darin ein Problem, das jeder kennt: Die Suche nach dem zweiten Schuh (wobei die “sock puppets” jedes Kind begeistern werden!).

Rest in peace B.B.! Deine Musik wird weiterleben solange es Gitarren auf dieser Erde gibt.

gp

Dänemark zu Gast

12 Mai

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 “Graphic novels” erobern auch den dänischen Kinder- und Jugendbuchmarkt. Zum Beispiel die episodisch und variantenreich gestaltete Coming-of-Age-Geschichte “Pssst” von Illustratorin Katrine Clante (links) und Autorin Annette Herzog. Darin wird von der zwölfjährigen Viola und ihren Träumen, Sehnsüchten und Ängsten erzählt.

Anlässlich der Eröffnung einer Ausstellung mit Zeichnungen und Drucken des Buches kamen die beiden Künstlerinnen letzten Samstag in die Zentralbibliothek.  Es war die Auftaktveranstaltung der “Internationalen Kinder- und Jugendbuchwochen 2015″, bei denen diesmal (noch bis zum 24. Mai) Dänemark das Gastland ist. Das kreative Duo kann auf eine langjährige preisgekrönte Zusammenarbeit zurück blicken:

  •  2008 – Auszeichnung für das schönste Buch für „Flyvere på Himlen (Flieger am Himmel)
  •  2013 – Dänischer Kulturpreis für Illustration für die Graphic Novel „Pssst!“
  •  2014 – Ping Preis (Dänischer Cartoon Preis) für „Pssst!“ gemeinsam mit der Autorin Annette Herzog in der Kategorie „Bester Kinder- und Jugendcartoon.

In einem  Gespräch mit Ursula Schröter von veranstaltenden SK Stiftung Kultur und Dr. Gabriele Ewenz von der Stadtbibliothek Köln, berichteten die beiden über ihre Zusammenarbeit und den Entstehungsprozess des Buches.

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Und heute leiteten sie einen Workshop in der Zentralbibliothek, in dem sie ihr Buch “Pssst!” einer Klasse der Ursulinenschule vorstellten. „Für die meisten Mädchen war die Graphic Novel etwas Neues, sie sind eher an Comics gewöhnt”, so die Autorin Annette Herzog. Aber die Schülerinnen zeigten sich hoch angetan vom Format und dem Inhalt, in dem sie auch Teile ihrer Lebenswirklichkeit entdeckten.

Ausstellungsdauer: 10.- 29. Mai in der Zentralbibliothek am Neumarkt

Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag: 10 bis 20 Uhr; Mittwoch und Freitag: 10 bis 18 Uhr;
Samstag: 10 bis 15 Uhr

Homepage: Katrine Clante

Homepage: Annette Herzog

Ich lese gerade…„Jeder Tag gehört dem Dieb” von Teju Cole

9 Mai

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TEJU COLE

JEDER TAG GEHÖRT DEM DIEB

Aus dem Englischen von Christine Richter-Nilsson

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Klaus Bittner

Open City, Teju Coles autobiographischer Roman über New York, hat seinen Platz als ein herausragendes Werk in der zeitgenössischen amerikanischen Literatur gefunden. Erst jetzt ist in Amerika wie auch bei uns das Buch erschienen, das bereits 2007 in einem kleinen nigerianischen Verlag veröffentlicht wurde.
In ihm erzählt ein junger Mann von seiner Rückkehr aus den USA nach Lagos, an den Ort seiner Kindheit, den er vor vielen Jahren verlassen hat. Der autobiographische Bezug ist deutlich. Der Erzähler lebt bei seinen Verwandten in Lagos, sieht alte Freunde, streift durch die Strassen der Stadt und über die Märkte. Er redet mit den Menschen, trifft auf Chaos und Improvisationskunst, auf Korruption und Gewalt, aber auch auf Lebensfreude, erfährt Momente von Schönheit und Kreativität. Er fühlt sich zerrissen zwischen seiner Liebe zu dem Land und den Menschen, die zu sehr damit beschäftigt sind, in der unmittelbaren Gegenwart zu überleben, als sich um Traditionen und Geschichte oder um das Fortkommen des Landes zu kümmern. Zunehmend reift in ihm die Erkenntnis, dass eine endgültige Rückkehr in dieses Leben nicht in Frage kommt.
Durch seine Beobachtungsgabe, seine genauen stimmungsvollen Beschreibungen, entsteht das faszinierende Porträt eines zerrissenen Landes.

Klaus Bittner

Versunkene Bibliotheken: “Biblioteca international” Formentera

7 Mai

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Wer als Zugezogener hier lebt, will nie mehr zurück in seine alte Heimat. Lieber reserviert er sich schon mal ein Plätzchen auf dem Friedhof von Sant Francesc. Seit 1997 liegt dort auch Robert „Bob” Baldon aus den USA, der 1967 nach Formentera kam.

Einer Zeit, von der noch heute auf der Balearen-Insel geschwärmt wird. Amerikanische Hippies waren die touristische Vorhut. Sie konnten mit Dollar bezahlen, hausten in Höhlen und in Frieden mit den Einwohnern. In der Folge belebten Künstler, Individualisten und jede Menge Freaks die Sommermonate und bastelten mit am „Mythos Formentera”. Heute erinnern lediglich die legendäre Fonda Pepe, eine Gitarrenbauschule und ein Hippiemarkt an diese Zeiten.

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Bob Baldon war kein Hippie. Er hatte als Architekt Supermärkte und Hochhäuser konzipiert und die kleine Insel und ihre relaxte Atmosphäre machten ihn zum Aussteiger. Sinn gab er dem Ganzen durch den Aufbau einer Bücherei. Schräg gegenüber der Fonda Pepe wuchs durch seine Sammlung die „Biblioteca Internacional”. 30.000 Bücher in einem Dutzend Sprachen kamen in 30 Jahren zusammen. Wer das Glück hatte, ihn und sein Haus kennen zu lernen, wird sich an einen charismatischen Mann erinnern. Zurückhaltend, bedächtig und sorgfältig in seinem Reden und Tun. Jedes (gegen eine kleine Gebühr) ausgeliehene Buch schlug er in Zeitungspapier ein, so dass es die Lektüre am Strand unbeschädigt überstehen konnte. Zur Aktualität des Bestandes trugen viele Leser bei, indem sie ihre mitgebrachte Urlaubslektüre vor der Abreise der Bibliothek vermachten.

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Und wer Bobs Vertrauen gewann, dem zeigte er hinterm Haus die Sammlung seiner Lebensgefährtin. In unzähligen Tiegeln und Töpfen wuchs und blühte dort eine Bibliothek der Insel-Flora.

Als er 1997 plötzlich starb, verschwand mit ihm die „Biblioteca International” und Formentera, als Ort genussvollen Lesens, verarmte von einem Tag auf den anderen. Jahrelang lagerten die Bücher in Kisten in einer Schule. 1999 gründete sich der Verein „Asociación Amig@s de la Biblioteca Internacional de Formentera”, um das kulturelle Erbe von Bob Baldon wiederzubeleben. Mit Erfolg: auf Formentera entstand ein modernes Kulturzentrum, in das die öffentliche Bibliothek der Insel einzog.

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Und darin finden sich einige Regale mit Büchern aus dem Bestand der ehemaligen „Biblioteca international”, die die Erinnerung an Bob Baldons Werk wachhalten.

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 gp

P.S.: Zu Mythos von Formentera gehört auch, das Inselbesucher wie Nina Hagen , Bob Dylan, Chis Rea, Pete Sinfield (King Crimson ) Bobs Bibliothek besucht haben sollen, was vermutlich (angesichts der Popularität des Selfmade-Bibliothekars) stimmen wird.

P.P.S.: Bobs letzte Ruhestätte erhielt am23. April 1998, dem internationalen Tag des Buches, einen Grabstein in Form eines aufgeschlagenen Buches.

Bisher erschienen in der Reihe “Versunkene Bibliotheken”:

Bayern München

Die Titanic

Nationalbibliothek Bosnien und Herzegowina

Die Universitätsbibliothek von Löwen

re:publica 2015 – #rp15 – Tag 3

7 Mai

Darf man Endspurt schreiben, oder ist das zu uncool? Egal. Endspurt.

Wider die Bewilligungskultur im Netz

Leonhard Dobusch ist Juniorprofessor für Organisationstheorie in Berlin und aktivier Autor für netzpolitik.org. In seinem Talk widmet er sich kompliziertem Urheberrecht und der Tatsache, dass mir jede einzelne Plattform eigene ABG zum durchlesen überscrollen und abnicken abverlangt. Er handelt dabei verschiedene Streamingdienste ab, streift Bibliotheken (!) und landet bei der Remix-Kultur. Guckt Euch das an, ist schön orchestriert und sehr interessant.

3D printing in Katastrophengebieten

@andrewlamb stellt Field Ready vor. Das ist eine humanitäre Organisation, die ein großes Logistikproblem umgeht, denn sie stellt Hilfsgüter vor Ort her. Am Beispiel von Nepal sieht man aktuell, welche Bruchstellen in einer solchen Versorgungskette entstehen, wenn Güter wehen bürokratischer Hürden am Flughafen verrotten. Und auch sonst bergen Transportwege unvorhersehbare Tücken wie kaputte Straßen oder Fahrzeuge. Diese Ungewissheiten werden von Hilfsorganisationen teuer bezahlt: Logistik frisst 60-80 % ihres Einkommens.

Field Ready zieht seine Inspiration aus der Science-Fiction. Die Technologie des Replikators in Star Trek wird regelmäßig mit 3D-Druck verglichen, auch wenn noch gefühlte Lichtjahre dazwischen liegen. Dennoch, so Lamb: “Wir haben zwar keine Raumschliffe und Replikatoren – aber Flugzeuge und 3D-Drucker.” Seine Vision ist, die komplette, fehleranfällige und teure Vertriebskette von Herstellern zum Feld zu übergehen, indem die Herstellung direkt im Feld platziert wird. Er nennt das hyper-local manufacturing & deployable makerspaces.

Andrew Lamb zeigt Nabelschnurklammern aus dem 3D-Drucker.

Andrew Lamb zeigt Nabelschnurklammern aus dem 3D-Drucker.

Und wie sieht das konkret aus? In Haiti hat es schon funktioniert, und zwar mit dem unscheinbaren Produkt “Nabelschnurklammer”. Das simple Plastikding hattet ihr wahrscheinlich schon alle umgetackert – es ist für die Säuglingsbehandlung ziemlich wichtig, da es Infektionen verhindert. Ohne die Vertriebskette und aus dem 3D-Drucker ist es 40% billiger herzustellen. Ganz zentral ist dabei laut Lamb, lokalen Makern Technologie und Software beizubringen, sodass sie möglichst unabhängig handeln können. Nun könnte man einwenden, dass ja auch das Filament für den Drucker eine Vertriebskette benötigt – Field Ready legt aber wert darauf auch Gerätschaften bereizustellen, mit denen andere Kunststoffe für den 3D-Druck recyclet werden können.

Ein inspirierendes Projekt. Wir fragen uns, inwiefern wir als Bibliothek etwas beitragen könnten.

Eingeschoben: Ein Talk zu der dunklen Seite des sog. E-Health. Wie würdet ihr diese Fragen beantworten?

Eingeschoben: Ein Talk zu der dunklen Seite des sog. E-Health. Wie würdet ihr diese Fragen beantworten?

Der Terminator in unserer Hosentasche

Jérémie Zimmermann fragt, wie man den Gegner “Überwachung” bekämpfen (und ultimativ besiegen) kann. Aktuell scheint es ein ungleicher Kampf zu sein, denn er hat einen entscheidenden Vorteil: er ist unsichtbar. Als Schablone dient ihm die künstliche Intelligenz Skynet aus James Camerons Terminator (bei uns im Bestand unter Uv *Action* Terminator). Der einzige Unterschied zur Realität: Wir leben in keiner Atomapokalypse und es gibt (noch!) keine 100%ig autonomen Maschinen. Aber wir leben schon in einer Welt, in der Maschinen unfassbar viele Daten aggregieren und verarbeiten.

Zimmermann sagt “fuck privacy” und meint damit, dass Privatheit nur ein Konzept, nur eine Idee sei. Kulturell konstruiert. Wichtiger sei der Schutz der Intimität, da sie es uns als einzige Möglichkeit erlaube, wirklich wir selbst zu sein. Denn Intimität erlebe man entweder alleine oder nur mit den Menschen, die man dafür bestimme. Und genau diese Intimität ist es, die von den Maschinen bedroht wird. Wie genau? Er nennt drei Aspekte zeitgenössischer Smartphones.

  1. Hyper-Zentralisierung. Bedeutet: Die NSA kann alles sehen, auch nicht abgesendete aber eingetippte Dinge.
  2. Komplexität. Nur sehr wenige Menschen verstehen, wie das Gerät bis zur Prozessorebene im Detail funktioniert. Doch wie will man die Macht über etwas zurückgewinnen, das wie Magie erscheint?
  3. Es gibt die Illusion von Sicherheit. Google und alle anderen beteuern stets, die Daten seien sicher bei ihnen.

Am eindrücklichsten ist vielleicht der Kauf von Boston Dynamics durch Google vor einiger Zeit. Boston Dynamics stellt (Kampf?-)Roboter her, die den Maschinen aus Terminator schon ziemlich nahekommen. Zimmermann fragt: Eine Kampfmaschine, die alle Daten hat – was kann da schon schiefgehen?

Wir fühlen uns angesichts dieser “Wunderwerke” wie Sarah Connor im Film, sagt Zimmermann. Denn wir können das, was wir erleben und sehen, kaum fassen. Doch wie bekämpfen wir das? Mit Rohrbomben, so wie im Film? Er schweigt. Zuckt mit den Schultern. Der Saal lacht. Nein, er möge Rohrbomben nicht so gerne. Lieber sei ihm freie Software und 100%ig von uns kontrollierbare Computer. Und die wir verstehen.

Letztlich liefert Jérémie eine Brandrede, aber eine sehr imponierende.

Sie endet mit: Let’s crush those fuckers.

Fazit

Der Schlusssatz oben macht es noch einmal deutlich: die re:publica ist eine politische Veranstaltung. Die Stimmung der netzkulturell geprägten Beiträge war düster. Business spielt eine Rolle, aber eine untergeordnete. Die Makerkultur hatte mit dem Global Innovation Gathering (GIG) zum dritten Mal eine prominente Subkonferenz, deren Beiträge von Optimismus und viel Bewegung zeugten. Ansonsten muss sich die re:publica regelmäßig den Vorwurf gefallen lassen, bloß ein Ringelpietz der Berliner Netz-Schickeria zu sein. Diesen Eindruck können wir nicht bestätigen. Natürlich treffen sich dort alte Freunde und der Kern mag ein kleiner sein, aber gleichzeitig kommen kreative Ideenträger aus der gesamten Welt zusammen und atmen gemeinsam den Geist der digitalen Gegenwart. Tauschen sich aus. Machen auf sich aufmerksam.

Das darf nichts Schlechtes sein.

Darum kommen wir gerne wieder. Wenn wir dürfen.

cd & sa

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